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Liebe auf den zweiten Blick

Die eine ist Barista und kennt sich aus mit Kaffee und Tee, die andere ist Sommelière und freut sich auf die umfangreiche Weinkarte mit über siebenhundert Weinen. Beide sind gelernte Restaurantfachfrauen und teilen sich schon bald die Restaurantleitung im Gasthaus Traube. Und: Noch in keinem der bisherigen Interviews wurde so viel gelacht wie mit Johanna Vogel und Beatrix Spiehs.

Ich sehe schon, da kommt eine geballte Ladung Power auf mich zu …

Beatrix: Auf jeden Fall (lacht).

Johanna: Definitiv! (lacht).

Bald werdet ihr in der Traube zusammenarbeiten. Darf ich fragen: Habt ihr euch vorher schon gekannt?

Beatrix: Nein, und es war auch keine Liebe auf den ersten Blick …

Johanna: … obwohl ja genau so die besten Freundschaften entstehen!

Das interessiert mich, erzählt.

 Beatrix: Wir haben uns bei der Secli Weinwelt anlässlich eines Teamevents zum ersten Mal gesehen und waren natürlich gespannt aufeinander, weil wir da schon wussten, dass wir zukünftig eng zusammenarbeiten werden. Der erste Eindruck war allerdings nicht wirklich berauschend …

Johanna:  …, dann haben wir uns zwangsläufig ein zweites Mal gesehen, uns besser kennengelernt und dabei festgestellt, dass wir doch sehr gut harmonieren. Man kann sagen: Wir spielen uns gegenseitig sehr gut in die Karten. Jetzt passt es perfekt.

Das freut mich! Wer ist denn wofür zuständig?

Beatrix: Wir teilen uns die Restaurantleitung, das heisst, wir sind für das gesamte Service-Team zuständig. Ich trage die Verantwortung, wenn Johanna nicht da ist, und sie übernimmt, wenn ich nicht da bin. Vom Zuständigkeitsbereich her unterscheiden sich unsere Job-Profile nicht. Wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam.

Johanna: Genau. Wir haben natürlich beide unsere Stärken und Schwächen, können diese aber gegenseitig sehr gut kompensieren.

Ah, Stärken und Schwächen … ich bin gespannt!

Johanna: Ich bin gelernte Barista und entsprechend auf Kaffee spezialisiert. Aber auch Tee interessiert mich sehr. Und Bier finde ich ebenfalls ein sehr spannendes Thema. Beatrix ist da der Gegenpol …

Beatrix: Genau! Als Sommelière ist meine Spezialität natürlich der Wein. Wobei ich auch Kaffee, Tee und Bier sehr spannend finde. Wir haben für jeden Bereich ganz tolle Leute im Team, die sich super in ihrem jeweiligen Gebiet auskennen. Julian Berger von der Secli Weinwelt hat zum Beispiel die ganze Weinkarte zusammengestellt. Wir haben ja über siebenhundert verschiedene Weine, Schaumweine und Champagner im Angebot. Aber keine Angst, wir freuen uns darauf, die Gäste zu beraten, wenn sie das möchten …

Johanna: … auch diejenigen natürlich, die sich nicht so gut auskennen und einfach gerne einen bodenständigen Wein trinken möchten. Wir ziehen alle am gleichen Strick, sind sehr engagiert und wollen so viel wie möglich voneinander lernen. Das zieht sich durch das ganze Team hindurch. Wir freuen uns alle enorm darauf, dass es bald losgeht.

Wie ich gehört habe, habt ihr die Zeit bis zur Eröffnung ganz gut genutzt.

 Johanna: Dass wir uns seit Wochen immer wieder treffen und coole Aktivitäten zusammen unternehmen, wie zum Beispiel vor ein paar Wochen am Buchser Weihnachtsmarkt, sehe ich als grossen Vorteil an. Dadurch lernen wir uns kennen und wachsen als Team zusammen. Wenn es nun bald losgeht, sind wir richtig bereit, weil wir unsere jeweiligen Stärken und Schwächen bereits kennen. Das finde ich schön und wertvoll.

Unser Gespräch findet an einem winterlichen Abend Mitte Dezember 2021 statt. Die Eröffnung ist auf Ende Januar 2022 geplant. Was steht bis dann noch auf Eurer To-Do-Liste?

 Beatrix: Wir freuen uns auf die offizielle Übergabe des Hauses. Dann wird eingeräumt, geputzt, gezügelt. Wir packen alle zusammen mit an. Wir freuen uns sehr darauf, das Haus mit Leben zu füllen!

«Beatrix: Das Menschliche, Zugewandte, bringen wir von Natur aus mit.»

Und worauf freut Ihr Euch am meisten? Oder anders gefragt: Was ist das Beste an Eurem Beruf?

 Beatrix: Definitiv der Umgang mit den Menschen! Du lernst so viele unterschiedliche Leute kennen. Dieses Menschliche, Zugewandte bringen wir von Natur aus mit. Und das entsprechende Temperament natürlich auch (lacht).

Johanna: Wir haben wirklich den besten Beruf der Welt. Das Allerbeste daran ist, dass wir die Möglichkeit haben, die Menschen sehr persönlich kennenzulernen. Uns ist wichtig, dass wir uns Zeit nehmen für die Gäste. Wir wollen sie nicht abfertigen, sondern auch einmal einen Schwatz halten. Alle sollen sich wohlfühlen bei uns. Wir sind ja in gewisser Weise die Seele des Hauses. Wenn uns die Leute mögen, dann kommen sie auch gerne zu uns. Das ist uns wichtig.

Und was ist euer Geheimtipp im Umgang mit Menschen?

 Beatrix: Ich glaube, die Kommunikation. Solange man einen offenen und respektvollen Umgang miteinander pflegt, ist alles möglich. Das gilt für den Umgang mit den Gästen genauso wie für den Umgang innerhalb des Teams. Wenn etwas ist, das vielleicht nicht ganz passt, soll man es offen ansprechen dürfen und dann gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Gerne würde ich euch ein bisschen besser kennenlernen. Wer seid ihr? Woher kommt ihr?

Beatrix: Ich bin 29 Jahre alt, komme aus der Steiermark, habe Konditorin gelernt, als Zweitlehre die Restaurantfachfrau abgeschlossen und dazu die Sommelière. 2015 kam ich in die Schweiz, zuerst nach Zürich, dann ging es kurz nach Graubünden, dann wieder zurück in die Steiermark. Und immer war ich in der Gastronomie tätig. Und jetzt bin ich hier (lacht). Ach ja, und ich liebe Schokolade.

Ich staune, dass du bereits in deinem jungen Alter die Leidenschaft für den Wein entwickelt hast.

Beatrix: Oh, da gibt es noch wesentlich jüngere Weinberaterinnen als mich. Ich bin zwar keine Diplom-Sommelière, aber ich kenne die Basics und ich kann die Gäste gut beraten. Die Gastronomie hat sich generell in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Ich denke, die «alte» Regel – heller Wein zu hellem Fleisch, dunkler Wein zu dunklem Fleisch – darf man über Bord werfen. Man darf beim Wein ruhig ein bisschen spielen und mutig sein. Bei unserem grossen Angebot dürfte dies ja kein Problem sein (lacht).

Johanna, magst du mir auch ein bisschen über deinen Werdegang berichten?

Johanna: Gerne! Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Lustenau in Vorarlberg, wo ich auch lebe. Mit fünfzehn wusste ich noch nicht so genau, was ich will, bin dann quasi in die Gastronomie reingerutscht und habe sie lieben gelernt. Nach der Lehrzeit ging’s ab in die Schweiz, wo ich in den unterschiedlichsten Häusern gearbeitet habe. Dabei habe ich vom gehobenen Service mit weissen Handschuhen über den coolen Barbetrieb alles kennengelernt. Ich wollte so viel wie möglich ausprobieren, um herauszufinden, welcher Standard von Service am besten zu mir passt. Heute weiss ich: Ich möchte gerne in einem Betrieb arbeiten, wo der Umgang mit dem Gast und die persönliche Note im Vordergrund stehen. Die Traube ist also perfekt für mich. Ein Etepetete-Haus würde eher nicht zu meinem Naturell passen. Vor ein, zwei Jahren habe ich ausserdem die Leidenschaft für das Malen entdeckt. Ich habe einfach eine Leinwand hergenommen und dann sind die Bilder fast von selber aus mir herausgekommen. Das Malen hilft mir beim Abschalten.

Beatrix: Übrigens, um meine erste Auslandsstation festzuhalten, habe ich mir die Koordinaten von Zürich auf meinen Arm tätowiert …

Johanna: … und bald lassen wir uns beide eine Traube auf unsere Finger tätowieren. Darauf freuen wir uns!

«Johanna: Ein Etepetete-Haus würde nicht zu meinem Naturell passen.»

Ein spezielles Zeichen der Verbundenheit! Bald werdet ihr das Gasthaus also mit eurer Lebendigkeit füllen. Bei aller Vorfreude: Gibt es auch etwas, das euch ein bisschen Bauchweh bereitet?

 Beatrix: Wir wünschen uns halt, dass sich wirklich jeder und jede bei uns willkommen fühlt. Dass die Menschen den Weg zu uns finden und uns eine Chance geben. Ob der Bauarbeiter nach der Arbeit auf ein Feierabendbier kommt oder wer auch immer bei uns einen Kaffee trinken oder ein elegantes Essen geniessen möchte – wir freuen uns auf eine bunte Schar von Leuten. Niemand soll das Gefühl haben, er passe vielleicht nicht in die Traube. Im Gegenteil! Kommt zahlreich, wir freuen uns auf euch!

Johanna: Das kann ich nur bestätigen.

Vielen Dank für das interessante und lustige Gespräch.

Interview: Doris Büchel
Fotos: Roland Lichtensteiger

Tabula Rasa

Was macht ihr am Morgen zuerst? Beatrix: Kaffee trinken und rauchen / Johanna: Kaffee trinken und rauchen. Was findet man immer in euren Kühlschränken? Beatrix: Wein. / Johanna: Bier und Wein. Welche Eigenschaften muss ein Team mitbringen, damit es funktioniert? Beatrix: Kommunikationsfähigkeit! / Johanna: Kommunikationsfähigkeit und Motivation! Was ist das Tollste an eurem Beruf? Beatrix: Der Umgang mit den Menschen / Johanna: Der Umgang mit den Menschen. Die grösste Herausforderung? Beatrix: Wir wollen alles geben, um die Wünsche und Vorstellungen von Kathrin und Ivan wahrwerden zu lassen. /

 

Johanna: Da stimme ich Bea absolut zu. Wohin zieht es euch immer wieder in eurer Freizeit? Beatrix: In die Natur, verbunden mit einem guten Essen. / Johanna: In die Stille, um abzuschalten und aufzutanken. Wen würdet ihr gerne einmal in der Traube bedienen? Beatrix: Jemanden, der sich mit Wein super auskennt. / Johanna: Ich freue mich auf alle Gäste, egal ob bekannt oder unbekannt. Was würdet ihr sie fragen? Beatrix: Darf ich dir unsere grosse Wein-Auswahl zeigen? / Johanna: Was kann ich dir Gutes tun?