Stefan, gerne möchte ich ein bisschen auf deine beeindruckende Schauspiel-Karriere eingehen. Es gibt da diese Anekdote, wie du als Bub zum Schauspiel gekommen bist. Ich meine die Geschichte mit der Aufführung im Internat …
SG: Ach so, ja, das ist tatsächlich eine schöne Geschichte! Zusammen mit Andrea Zogg bildete ich damals im Internat Schiers ein kleines Theatergrüpplein. Wir waren 15, 16 Jahre alt, und ich war – da ich in Bregenz aufgewachsen bin – ein ziemlicher Fan des österreichischen Schriftstellers Peter Handke. Also überlegten wir uns, sein Stück «Publikumsbeschimpfung» aufzuführen, in dem das Publikum aufs Übelste beschimpft wird. Wir Jungs fanden es toll, in der vollbesetzten Aula unsere Lehrer zu beschimpfen – natürlich immer unter dem Vorwand der Literatur. Das hat enorm Spass gemacht! Was auch lustig war: Offenbar hörte der Churer Stadttheater-Intendant davon und lud uns, nachdem er sich selbst von uns überzeugt hatte, nach Chur ein. So kam es, dass wir Buben zwei Aufführungen im vollbesetzten Churer Stadttheater spielen konnten. Ich weiss noch genau: In jener Nacht sagten wir zueinander: Wir werden Schauspieler!
Wie ging es weiter?
SG: Mein Plan war, entweder an einer richtig guten Schauspielschule aufgenommen zu werden oder ich hätte wohl ein Studium begonnen. Eine private Schauspielschule, bei der man bezahlt, um dazuzugehören, wäre für mich nie in Frage gekommen. Aber ich hatte Glück und wurde als einer von zwölf unter tausend Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt. So kam ich zu meiner Ausbildung als Schauspieler an der Hochschule für darstellende Kunst, dem renommierten Max Reinhard Seminar in Wien. Das gab mir das Vertrauen, dass es tatsächlich klappen könnte mit einer Karriere.
Wovon hast du geträumt damals als Bub? Wolltest du James Bond werden?
SG: Eine gute Frage, zu der ich ein bisschen ausholen muss. Meine Mutter ist sehr kulturaffin, mein Vater arbeitete in der Maggi-Fabrik in Bregenz. Weil wir in einem relativ grossen Haus lebten, quartierte meine Mutter häufig Schauspieler in unserer Mansarde ein, die vor und während den Bregenzer Festspielen eine Unterkunft brauchten. Einer davon war Sieghardt Rupp, der damals einen Fernsehkommissar spielte. Ich erinnere mich gut daran, wie er sich um mich kümmerte, wie ich mit ihm Texte üben und ihn sogar duzen durfte! Ich dachte, diese Schauspieler sind lässige Typen! Und die allerlässigsten waren die Kommissare! So einer wollte ich auch einmal sein, wenn ich gross war.